Aus der Tierklinik am Stadtwald Frankfurt, Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Roger Bührer

Aspergillose – die häufigste Erkrankungsursache tropischer Vögel

Volker Hach

Was ist die Aspergillose?
Bei der Aspergillose handelt es sich um die meist schleichend verlaufende Besiedelung der Atmungsorgane (Nase, Lunge, Luftsäcke) mit Schimmelpilzen. Die namensgebenden Aspergillen (flavus, niger, fumigatus) sind die am häufigsten vorkommenden Krankheitserreger, aber auch Mukor, Penicillium und andere Schimmelpilze führen zu den gleichen Symptomen.
Eine bestehende Infektion ist aber nicht auf die Atemwege (Kurzatmigkeit, Hecheln, Schwanzwippen) beschränkt, sondern kann sich auf das Herz, Nieren, Leber, den Verdauungstrakt und andere innere Organe ausweiten. Ein weiteres Problem stellt die je nach Pilz sehr unterschiedliche Produktion von Giftstoffen dar. Diese führen zu einer Beeinträchtigung von Leber und Niere und können zu schlechtem Gefieder, Abmagerung, Flugunlust, Durchfall, Erbrechen, Teilnahmslosigkeit und zentralnervösen Symptomen führen. Sehr häufig setzen sich auch Bakterien auf den geschädigten Organismus (Kropfentzündung, Erbrechen, Durchfall, Lungenentzündung) und erst jetzt nehmen wir den Vogel als krank wahr.

Wieso mein Vogel – woher hat er das?
Tropische Vögel leben in den Baumkronen sehr feuchter Gebiete mit täglichen Regenfällen. Staubpartikel (also auch Pilzsporen!) werden aus der Luft ausgewaschen, das Immunsystem der Vögel wird damit nicht konfrontiert. In unseren Breiten sind die mikroskopisch kleinen Pilzsporen überall vorhanden. Ebenso wie sich die Pilzsporen auf einem offen stehenden Joghurt legen und diesen zum Schimmeln bringen, verschimmelt auch der Atmungstrakt der Vögel.

   Bei Hund, Katze und Mensch passiert dies ebenso, aber unser Immunsystem kennt die Pilze und kann diese eliminieren. Dem Immunsystem des Vogels aus tropischen Gebieten gelingt das nicht.
 Zudem ist die Luftfeuchte in unseren Breiten zu gering und die Atemwege der Vögel können sich daher nicht gut genug reinigen (vergleichbar mit trockener Luft klimatisierter Räume, die zu Erkältungen führt).
 Käfigvögel, die wenig fliegen, belüften ihren Atmungstrakt nur zu 20% (!!!), so dass sich die Pilzsporen anreichern können.
 Hinzu kommen pilzsporenreiche Futtermittel wie Nüsse, Erdnüsse
(Hülsenfrüchte) und oftmals Sonnenblumenkerne.
 Eine einseitige Ernährung mit fettreichen Sämereien (Sonnenblumenkerne!!!) führt zum Mangel von essentiellen Aminosäuren, Vitamin E und Vitamin A, was sich negativ auf das Immunsystem der Tiere auswirkt.
 Pilzsporen und Pilzhyphen sind mit dem Auge nicht zu erkennen. Der von uns wahrgenommene Schimmelpilz, ist nur die Fruchtform des Pilzes (so wie der Steinpilz eigentlich ein Geflecht im Boden ist und der uns bekannte Speisepilz nur die Frucht des Pilzes darstellt).
   
Warum habe ich nichts bemerkt?
Die Erkrankung baut sich über Jahre auf. Der Vogel wird seine Aktivität so einschränken, dass er nicht in Luftnot kommt. Wir sehen also nur eine über Jahre verlaufende Aktivitätsminderung. Beim Fliegen oder bei Aufregung atmet der Vogel stärker, eventuell verliert er etwas Muskelmasse an der Brust. Da die Veränderung ganz allmählich geschieht, merken sie davon nichts. Die Erkrankung schreitet von Tag zu Tag voran, aber meistens merken wir erst im Alter von 10-15 Jahren eine klinisch auffällige Erkrankung. Das ganze kann sich aber auch sehr schnell entwickelt, z.B. bei Stress, wenn andere Erkrankungen hinzukommen, oder der Vogel Antibiotika erhält!!!

Wann ist die Belastung mit Pilzsporen am Höchsten?
Die höchste Konzentration von Pilzsporen finden wir von Herbst bis Frühjahr (Okt.-März). Dies ist zudem die kalte Jahreszeit, gleichbedeutend mit trockener Heizungsluft (Austrocknung der Atemwege), wenig Lüften, viel Staub und wenig Licht.

Wie kann ich vorbeugen?
Wichtig ist ein gutes Raumklima (60 % Feuchte), häufiges Lüften (Vorsicht: kein Zug), keine stehende Feuchtigkeit (Schimmelbildung an Kältebrücken), täglich mehrmaliges besprühen des Vogels mit Wasser. Der Vogelkäfig sollte nicht in unmittelbarer Nähe der Heizung stehen (sehr trocken!!!, gilt auch für Meerschweinchen, Kaninchen, Katzen). Das Futter muß ausgewogen (viel Obst und Gemüse) und frei von Staub und Nüssen sein. Die Nüsse herauszusammeln oder zu schälen bringt nichts, da sich die krankheitserregenden Sporen schon verteilt haben. Wenn das Futter farblich oder im Geruch verändert ist, nicht mehr frei rieselt (Futtermilben) oder sehr staubig ist, sollte man es wegwerfen. Körnerfutter sollte nur 30 % der Gesamtfuttermenge ausmachen.

Wie wird behandelt?

Ist die Aspergillose diagnostiziert (Röntgen), wird eine medikamentöse Therapie begonnen. Hierbei werden über mindestens 14 Tage Medikamente in den Schnabel eingegeben. Ist dies zuhause nicht möglich, kann der Vogel stationär aufgenommen und bei uns behandelt werden. Bei frühzeitiger Erkennung ist unter Umständen eine Inhalationstherapie ausreichend, die bequem zuhause durchführbar ist und von den Patienten gut angenommen wird. Diese wird auch zur Vorbeugung empfohlen!!! Je nach Schwere der Erkrankung, ist auch eine Unterstützung von Leber und Niere erforderlich oder sekundäre bakterielle Infektionen müssen mitbehandelt werden. Zur Vorbeugung und auch zur Nachbehandlung sollte Ihr Vogel 2-4 mal jährlich für jeweils 14 Tage mit einem Pilzmittel inhaliert werden. Eine Futterumstellung, bzw. die Ergänzung des Futters mit Vitamin-, Spurenelement- oder Leberschutzpräparaten kann sinnvoll sein. Wir beraten sie gerne.