Aus der Tierklinik am Stadtwald Frankfurt,
Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Roger Bührer
Arthrose
Volker Hach
Vorkommen und Ursachen:
Arthrosen sind degenerative Erkrankungen der Gelenke. Wodurch diese
ausgelöst wird und wie sie entsteht, ist noch immer nicht genau
geklärt. Ursprünglich liegen meist Instabilitäten und
Fehlstellungen des Gelenkes, Frakturen etc. vor. Die Arthrose ist eine
der häufigsten Ursachen für Lahmheiten beim erwachsenen, älteren
Hund. Meist werden Knorpelzellen durch z.B. Druck oder andere mechanische
Beanspruchung dazu angeregt Spaltprodukte freizusetzen.
Diese Enzyme (Proteasen) stimulieren in der Gelenksflüssigkeit
wiederum verschiedene Zellen dazu weitere Enzyme und andere Stoffe auszuschütten,
wodurch der Knorpel angegriffen wird. Schließlich kommt es zur
Entzündung, Wassereinlagerung im Gelenk selbst (Erguss) sowie im
umliegenden Gewebe (Ödem) und zur Gefäßerweiterung im
Bereich des Gelenkes und seiner Häute. Insbesondere die Umverteilung
des Blutflusses führt zur Ödembildung innerhalb des Knochens
und zur sehr schmerzhaften Erhöhung des Knocheninnendruckes.
Diagnose:
Der Verdacht einer Arthrose entsteht meist weil dem Besitzer Lahmheiten,
Steifheit, Schwierigkeiten beim Aufstehen bis hin zur Schonung eines
Beines auffallen. Die Diagnose wird dann durch die klinische Untersuchung,
durch Abtasten sowie Schmerzproben näher eingegrenzt und durch
Röntgen abgesichert. Auf dem Röntgenbild sind bereits kleine
Zellverluste als erstes Anzeichen sichtbar. Später dann werden
die arthrotischen Veränderungen und die Zunahme der Gelenkflüssigkeit
deutlicher.
In einigen Fällen kann eine Ursache für die Erkrankung diagnostiziert
werden. Hierzu gehören Hüftgelenksdysplasie, Wachstumsstörungen
(z.B. Fragmentierter Proc. Coronoideus oder anconaeus, Osteochondrosen,
Short-ulna), Verletzungen (Kreuzbandriss), Knochenbrüche/Haarrisse,
Fehlstellungen der Gliedmaßen. In seltenen Fällen sind weitere
aufwendigere Untersuchungen, wie z.B. Ultraschall, Szintigrafie, Schichtröntgen
oder Magnetresonanztomographie hilfreich für die Diagnose.
Therapeutische Ansätze
Bereits vorhandene arthrotische Veränderungen sind nur in den seltensten
Fällen rückgängig zu machen. Durch die weitere Therapie
soll also das Voranschreiten der Erkrankung verhindert oder zumindest
gebremst, Entzündungen gestoppt werden. Für das Wohlbefinden
unserer Patienten besonders wichtig ist auch die Schmerzausschaltung.
Chirurgisch:
Zunächst wird versucht eine eventuelle Ursache durch geeignete
(meist chirurgische) Maßnahmen zu beseitigen. So werden Wachstumsstörungen
oder jegliche Fehlstellungen behoben, Brüche versorgt, Instabilitäten
beseitigt. Im Falle einer Hüftgelenksdysplasie stehen verschiedene
Möglichkeiten je nach Fall zur Verfügung. Physiotherapie:
Als wichtige Hilfe ist sicherlich die Bewegungsreduktion bzw. später
dann kontrollierte Bewegung oder Physiotherapie zu sehen.
Das bedeutet allerdings ein dem Tier schwer zu vermittelnder Leinenzwang,
evtl. Boxenruhe und Ausgehverbot für Katzen. Gelenke müssen
durch aktives oder passives Beugen und Strecken vor Steifheit geschützt
werden. Es ist sinnvoll, konstant und vorsichtig Muskulatur anzubilden
bei gleichzeitig geringer Belastung der betroffenenen Gelenke. Schwimmen
stellt eine sehr geeignete Maßnahme dar. Übergewicht sollte
unbedingt vermieden oder ggf. reduziert werden.
Medikamente:
Für die medikamentöse Behandlung stehen verschiedene Mittel
zur Verfügung:
1. Entzündungshemmende und schmerzstillende Mittel: NSAID (Entzündungshemmende
Mittel, die nicht zu der Gruppe der Steroide gehören) z. B. Metacam,
Arthridog, Rimadyl, Finadyne, Tolfedine, Novalgin Diese Medikamente
unterscheiden sich durch ihre Verträglichkeit und Wirksamkeit,
das heißt bei einigen ist das entzündungshemmende bzw. das
schmerzstillende Potential höher oder länger andauernd oder
in bestimmten Bereichen stärker ausgeprägt.
2. Entzündungshemmende und abschwellende Mittel Steroide/Kortisone
(z. B. Prednisolon, Dexamethason) Sie unterscheiden sich vor allem in
der Geschwindigkeit, Stärke und Dauer der Wirkung
3. Kombination Kortison mit NSAID Hierdurch wird die nötige Dosierung
beider Medikamente vermindert bei vergleichbarer Wirkung
4. Knorpel-verbessernde Mittel Gelatine, Hyaluronsäure, Glucosaminsulfate
und andere z.B. Arthican, Canosan, Hyonate Sie unterscheiden sich in
der Konzentration einzelner Komponenten
5. Andere (z.B. Goldimplantate oder Homöopathika
Mittlerweile gibt es auch für den Hund gut verträgliche entzündungshemmende
wie auch schmerzstillende Mittel, die für eine Dauerbehandlung
geeignet sind. Nebenwirkungen betreffen vor allem Unverträglichkeiten
des Magen-Darmtraktes. Sofern die Tiere Vorerkrankungen (Niere, Leber)
haben, muss die Anwendung gegenüber den eventuell auftretenden
Problemen abgewogen werden. Bei solchen Patienten, wie auch bei älteren
Tieren ist die Kontrolle von Blutwerten vor und während der Behandlung
sinnvoll. Immer wieder in der Diskussion ist auch der Einsatz von Kortison,
da geradezu Angst davor -insbesondere bei längerer Anwendung besteht.
Trotzdem hat Kortison zur anfänglichen, kurzfristigen Behandlung
bei niedrigst möglicher Dosierung durchaus einen hohen Stellenwert,
da seine entzündungshemmenden Eigenschaften im Vergleich zu anderen
Präparaten oder in Kombination mit diesen ausgezeichnet sind.
In der letzten Zeit werden immer mehr Glucosaminsulfate und andere
knorpelverbessernde Mittel eingesetzt. Diese werden meist als Pulver,
als Tablette oder per Injektion verabreicht. Es ist durchaus möglich
mehrere Therapien miteinander zu kombinieren. Letztendlich müssen
Sie zusammen mit dem behandelnden Tierarzt entscheiden, welche Therapie
sinnvoll ist. Leider bleiben die meisten Patienten mit Arthrosen Dauerpatienten
und die Symptome schreiten fort. Zum Glück können wir jedoch
in vielen Fällen dem Hund oder der Katze ein zumindest ausreichend
schmerzfreies Laufen für eine längere Zeit ermöglichen.
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