Aus der Tierärztlichen Klinik für Kleintiere Frankfurt am Main,
Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Volker Hach
Die Frakturversorgung beim Kaninchen
Volker Hach
Heimtiere erfreuen sich in Deutschland einer zunehmenden Beliebtheit.
Damit hat auch die Behandlung von Knochenbrüchen bei Kaninchen und
Hasen in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Als Ziel der Unfallchirurgie
gilt auch beim Kaninchen die vollständige Wiederherstellung der Funktion.
Bei Frakturen der großen Röhrenknochen ist das nur durch die
Osteosynthese möglich. Konservative Maßnahmen haben wenig Aussicht
auf Erfolg.
Das Konzept der Osteosynthese beinhaltet eine belastungsstabile und frühzeitige
Mobilisation der verletzten Gliedmasse. Dafür stehen die Verplattung,
die Marknagelung und der Einsatz des Fixateur externe zur Verfügung.
Der Knochen des Kaninchens zeichnet sich durch eine spröde, porzellanartige
Konsistenz aus. Das ist für die Auswahl der Operationsmethode von
grosser Wichtigkeit. Beim Einbohren der Schrauben zur Plattenosteosynthese
und zum Fixateur externe kommt es leicht zu einer Zersplitterung des Knochens.
Deshalb galt die Marknagelung bisher als die Methode der Wahl. Der übliche
Steinmann-Nagel garantiert zwar eine optimale Stellung der Fragmente in
der Längsachse, kann aber eine Instabilität der Torsion und
die axiale Verschiebung nicht verhindern. Das macht sich vor allem bei
gelenksnahen Frakturen bemerkbar. Durch die Marknagelung mit dem Trilam-Nagel
läßt sich dieser Nachteil vermeiden. Der Trilam-Nagel weist
im Querschnitt eine runde Grundform auf. In der Längsrichtung verlaufen
drei Lamellen, die sich in die medulläre Kortikalis des Knochens
einkerben. Dadurch wird eine Rotation des Implantats verhindert.
Der operative Zugang zum frakturierten Knochen beim Kaninchen erfolgt
von der Zugseite her. Im Bruchbereich wird zunächst das proximale
Fragment dargestellt. Durch die Vorbohrung mit einem Steinmann-Nagel von
der Bruchseite her läßt sich das Einschlagen des Trilam-Nagels
erleichtern. Die Lamellen kerben sich in die innere Kortikalis ein. Schließlich
tritt die Nagelspitze am oberen aufgebohrten Ende des Schaftknochens heraus.
Dann erfolgt die Reposition der Fraktur, und der Nagel wird von proximal
her in das distale Fragment eingetrieben. Durch die Abmessung der Länge
an einem Vergleichsnagel ist die genaue Position im unteren Fragment leicht
zu kontrollieren. Knochensplitter werden in ihre physiologische Position
gelegt und mit einer Drahtcerclage oder einem Dexonfaden fixiert.
Als ideale Indikationen für die operative Markschienung mit dem
Trilam-Nagel gelten beim Kaninchen die Querfrakturen von Tibia, Femur
und Humerus. Weiterhin eignen sich Schräg- und Torsionsfrakturen,
Splitter- und Trümmerfrakturen gut dafür
Die Komplikationsrate der Osteosynthese ist beim Kaninchen höher
als bei Hund und Katze, auch bei Verwendung des Trilam-Nagels. Es wurden
ebenfalls Teleskop-Instabilitäten mit Migration des Nagels beobachtet.
Der nur 3 oder 4 mm starke Nagel kann auch verbiegen, wenn er einer stärkeren
Belastung durch die Hyperaktivität des Tieres nachgibt. Eine zusätzliche
äussere Fixation mit einem Verband empfehlen wir nicht.
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Abb 1. Unterschenkelfraktur beim Kaninchen
Abb 2. Chirugische Versorgung mit Trilamnagel.
Abb 3. Geheilte Fraktur 6 Wochen nach der Operation
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