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Aus der Tierklinik am Stadtwald Frankfurt,
Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Roger Bührer
Die Hüftgelenksdysplasie
Volker Hach
Die Hüftgelenksdysplasie (HD) ist eine erblich bedingte Fehlbildung,
die sowohl beim Hund als auch bei der Katze vorkommen kann.
Bau und Funktion des Hüftgelenks:
Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk. Der Oberschenkelkopf sitzt
normalerweise tief und fest in der Pfanne des Beckens (Abb. 1). Oberschenkelkopf
und Pfanne werden durch den Band- und Kapselapparat miteinander verbunden.
Die Gelenkhöhle ist von der Gelenkkapsel umgeben, welche für die
Bildung der Gelenkschmiere (Synovia) verantwortlich ist. Die Synovia ernährt
den Gelenkknorpel und ermöglicht ein reibungsloses Gleiten.
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| Abb. 1 |
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Abb. 2 |
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Ursache und Entstehung
Die HD ist eine genetisch bedingte Krankheit und entwickelt sich bereits
in der Wachstumsphase des Skeletts. Umwelteinflüsse wie Ernährung
oder Krankheit können den Verlauf der HD beeinflussen. Seit 20 Jahren
ist bekannt, daß zu eiweiß- und energiereiche Ernährung
einen negativen Effekt auf das dysplastische Hüftgelenk hat. Deshalb
werden heutzutage hochwertige, aber vor allem ausgewogene Futter für
großwüchsige Hunde als Prophylaxe empfohlen. Auch eine erhöhte
körperliche Aktivität des Tieres wirkt sich nachteilig aus. Es
muß aber nochmals herausgestellt werden, daß dies nur für
Tiere gilt, bei denen eine erbliche Disposition zur HD vorhanden ist. Es
gibt noch weitere negative Umwelteinflüsse, die von Fachleuten in der
ganzen Welt untersucht und diskutiert werden. Wenn der Oberschenkelkopf
nicht fest in der Pfanne verankert sitzt, kommt es zu einer Instabilität
im Hüftgelenk (Abb. 2). Dadurch entstehen Fehlbelastungen an den
Gelenkflächen mit lokaler Überbelastung der Gelenkpfanne. Die
Folge ist dann eine Degeneration des Gelenkknorpels, der sich bis zum
völligen Schwund abreiben kann. Die Gelenkkapsel reagiert mit einer
Entzündung auf die Gelenkveränderung. Von der Knochenhaut gehen
Wucherungen aus, die sich auf dem Röntgenbild erkennen lassen (Abb.
3). Arthrotische Prozesse sind demnach stets ein Hinweis auf ein nicht
korrekt geformtes Hüftgelenk (Abb. 4). Die HD kann sehr schmerzhaft
sein und in schweren Fällen bereits in der Wachstumsphase zu Lahmheit
oder Nachhandschwäche führen. Vor allem sind die größeren
Hunderassen betroffen. Wegen Belastung durch die Körpermasse und
der höheren Stoffwechselintensität während der Wachstumsphase
ist das Skelettsystem dieser Tiere anfälliger für Entwicklungsstörungen
als von kleineren Rassen.
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| Abb. 3 |
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Abb. 4 |
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Klinisches Bild und Diagnose:
Die betroffenen Tiere werden während ihrer Wachstumsphase oder zu
einem späteren Zeitpunkt, wenn bereits arthrotische Veränderungen
im Gelenk vorliegen, beim Tierarzt vorgestellt. Die Besitzer berichten
über Lahmheiten oder Ausfallserscheinungen einer oder beider Hintergliedmaßen.
Die Schmerzempfindlichkeit korreliert keinesfalls immer mit dem Schweregrad
der Krankheit. Da der Hund keine Auskunft über die Intensität
seiner Schmerzen geben kann, ist der Tierarzt bei der Untersuchung auf
die Aussage des Besitzers und Schmerzäußerungen des Tieres
bei der klinischen Untersuchung angewiesen. Die Hundebesitzer berichten
außerdem über Schwierigkeiten beim Aufstehen und Hinlegen,
beim Springen oder bereits bei Berührung der Hintergliedmaße.
Die Belastbarkeit der Tiere ist reduziert und der Gang kann schwankend
sein. Bei der klinischen Untersuchung geben eine Behinderung der freien
Rotation sowie Schmerzen bei jeglicher Manipulation am Hüftgelenk
den Hinweis auf ein Hüftleiden. Differentialdiagnostisch gibt es
neurologische Prozesse mit einer ähnlichen Symptomatik. Die Krankheiten
sind durch weitere Untersuchungen zu unterscheiden. Ein Röntgenbild
der Beckenregion und der Oberschenkel ist für die Diagnose der HD
unbedingt erforderlich.
Röntgenuntersuchung:
Bei Hunden kann die Röntgenuntersuchung nur unter Sedation
durchgeführt werden, da sich die Optimallagerung sonst nicht durchführen
läßt. Diese Röntgenbilder werden einer zentralen Auswertungsstelle
zur Beurteilung geschickt. Die Bestimmungen sind für die verschiedenen
Zuchtvereine unterschiedlich. Die Untersuchung auf Hüftdysplasie
hat Auswirkungen auf die Zuchtzulassung. Die Feststellung des Schweregrades
der Hüftdysplasie kann bei den Tieren erst nach dem ersten Lebensjahr
gemacht werden. Röntgenbilder, die keiner offiziellen Auswertung
übergeben werden, können jedoch ohne Narkose in jedem Lebensalter
durchgeführt werden.
Therapie:
In Anbetracht der Vererbbarkeit sollten betroffene Tiere von der Zucht
ausgeschlossen werden. Das hat sich in den letzten Jahrzehnten leider
nicht durchgesetzt und deswegen kommen Patienten mit Hüftgelenksleiden
recht häufig in die Praxis des Tierarztes.
Mit Ruhigstellung, Adaptation des Körpergewichtes und entzündungshemmenden
Schmerzmitteln kann die Krankheit in vielen Fällen unter Kontrolle
gebracht werden. Wenn aber trotz intensiver konservativer Therapie die
Schmerzen und die Lahmheit fortbestehen, ist die Möglichkeit einer
chirurgischen Behandlung in Betracht zu ziehen.
Bei jungen Tieren mit deutlicher Luxation (Instabilität) der Oberschenkel
hat sich die Dreifache Beckenschwenk-Osteotomie bewährt (Abb. 5).
Die Voraussetzungen hierfür sind allerdings geringste bis keine Entwicklungen
von Arthrosen im und am Hüftgelenk. Bei dieser Methode wird die Entwicklung
der Arthrose sehr reduziert bzw. verhindert. Aus diesem Grund empfiehlt
sich die Operation am wachsenden Hund (zwischen dem 5. bis 12. Lebensmonat)
durchzuführen.
Beim ausgewachsenen Hund hat sich das Einsetzen der Hüftgelenks-Totalprothese
bewährt. Das künstliche Hüftgelenk besteht aus einer Kunststoffpfanne
und einer in den Oberschenkelschaft einzementierten Prothese (Abb. 6).
Mittlerweile gibt es auch den zementlosen Hüftgelenksersatz. Die
Total-Endoprothese ist eine zuverlässige Methode, um Hunden mit großen
Beschwerden zu helfen. Der Kostenaufwand ist schon allein wegen der Materialien
zu berücksichtigen.
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| Abb. 5a |
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Abb. 5b |
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Abb. 5c |
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Abb. 6 |
Seit über 25 Jahren ist die Durchtrennung des Pektineusmuskel zur
Therapie der HD bekannt. Durch die Veränderungen der mechanischen
Kräfte im Hüftgelenk tritt in manchen Fällen eine Schmerzlinderung
ein. Über den Erfolg dieser Methode liegen noch uneinheitliche Resultate
vor, insbesonders bezüglich der Langzeitbeobachtung. Die Kosten fallen
geringer als bei anderen Operationen am Hüftgelenk aus.
Eine weitere Operation ist die Oberschenkelkopf- und halsresektion. Hierbei
wird der Oberschenkelkopf- und hals abgesetzt und entfernt (Abb. 6). Der
Sinn des Eingriffes besteht darin, den schmerzhaften Kontakt zwischen
Oberschenkelkopf und Becken zu unterbrechen. Stattdessen kommt es zwischen
Oberschenkel und Beckenpfanne zur Bildung eines Scheingelenkes aus Bindegewebe.
Die Ergebnisse dieser Operation sind als gut einzustufen. Die Kosten sind
im Gegensatz zu den anderen aufwendigeren Operationsverfahren geringer.
Zusammenfassung:
Die Hüftgelenksdysplasie ist ein erblich bedingtes Leiden bei
Hund und Katze. Durch die konsequente Ausschließung der betroffenen
Tiere von der Zucht, läßt sich die Krankheit bekämpfen.
Bis zum heutigen Tage war das Anliegen nur bei wenigen Hunderassen durchzusetzen.
Die konservative Therapie führt in den Anfangsstadien der Krankheit
zur Linderung der Beschwerden. Bei anhaltenden Schmerzen bietet die moderne
Chirurgie verschiedene Operationsverfahren zur Sanierung an.
In unserer Klinik werden sämtliche Operationen am Hüftgelenk
seit mehreren Jahren erfolgreich durchgeführt.
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