Aus der Tierklinik am Stadtwald Frankfurt, Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Roger Bührer

Luxatio patellae (Luxation der Kniescheibe)

Volker Hach


Funktion der Kniescheibe:
Die Patella (Kniescheibe) ist das größte Sesambein des Körpers und in die Endsehne des "vierköpfigen" Oberschenkelmuskels eingelagert. Das Kniescheibenband zieht ein kurzes Stück weiter und setzt am oberen Teil des Schienbeins (Tuberositas tibiae) an. Die Patella ist mitverantwortlich für den Streckmechanismus des Kniegelenks.

Vorkommen:
Die Luxatio patellae, d.h. das Herausspringen der Kniescheibe aus ihrer Furche ist erblich oder traumatisch bedingt. In etwa 75% der Fälle betrifft sie beide und in 25% nur eine Seite. Die Luxation kann nach medial (zur Mitte hin) vorzugsweise bei den Miniatur- und Zwergrassen wie Yorkshire Terrier, Chihuahua, Zwergpudel oder nach lateral (nach außen hin), bei mittleren bis grossen Rassen vorkommen

Im Ramen der Zuchtselektion ist das Problem der Patellaluxation schon lange bekannt. Besonders bei kleinwüchsigen Rassen bemüht sich der VDH ein Selektionsverfahren zu etablieren.

Diagnose:
Die Diagnose einer (erblich bedingten) Luxatio patellae wird bereits bei jungen Hunden unter zwei Jahren, oft schon im Alter von 4-5 Monaten gestellt. Dabei spielt die klinische Untersuchung eine herausragende Rolle. Der Patient wird sowohl in der Bewegung beobachtet, als auch im Stand und in Seitenlage das Knie abgetastet. Bei der Beurteilung der Gangart können alle Lahmheitsgrade gesehen werden. Besonders häufig wird ein sogenanntes "skipping" erkannt. Typischerweise berichten die Besitzer von plötzlichen Hüpfbewegungen oder kurzfristiger Entlastung des Beines, welches gestreckt nach hinten gehalten wird und dann wird wieder normal aufgefußt.

Die Einteilung der Luxatio patellae kann in Grad 1-4 erfolgen. Als zusätzliches Diagnostikum steht die Röntgenuntersuchung zur Verfügung. Hierbei werden zwei Standardprojektionen und manchmal auch eine spezielle, gehaltene Aufnahme angefertigt.

Das Krankheitsbild der Luxatio patellae entsteht meist durch eine Kombination aus mehreren knöchernen Abnormalitäten. Hierunter fallen die flache Kniefurche, abnormale Hüftkonformationen, Verlagerung des Kniescheibenbandes, Rotation des Oberschenkelknochens und/oder des Schienbeins (Tibiadysplasie). Weiterhin spielt die Schlaffheit der Weichteile (Gelenkkapsel, Bänder, Faszien) eine große Rolle.

Therapie:
Alle Tiere mit nichttraumatischer Patellaluxation sind von der Zucht auszuschließen. Erkrankten Patienten muss in Abhängigkeit vom Schweregrad geholfen werden. Hierbei ist die konservative Behandlung (Ruhe, entzündungshemmende Mittel, Schmerztherapie, knorpelaufbauenede Präparate) wenig hilfreich.

Bei geringen Veränderungen und sporadisch auftretenden Lahmheiten mit geringen Arthrosen kann auf eine Therapie verzichtet werden.

In schwerwiegenden Fällen ist eine Operation angezeigt. Ziel der Operation ist das normale Gleiten der Kniescheibe in der Rollfurche.

Ausblick:
Die Prognose ist abhängig von der Art und dem Schweregrad der Erkrankung. Bei allen Operationsmethoden besteht die geringe Gefahr des erneuten Herausspringens.

Schwere oder traumatisch bedingte Fälle von Patellaluxation sind immer operativ zu behandeln. Dadurch können schmerzhafte Arthrosen in der Folge vermieden werden.