Aus der Tierklinik am Stadtwald Frankfurt,
Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Roger Bührer
......und der blutten Wunden zu stillen.
Volker Hach
Blut, „diß ist ein solcher Schatz der Natur, wo der verloren
wirdt, so folget der Todt“.Das schrieb der Augsburger Apotheker
Christophorus Wirsung in seinem berühmten New Arztney Buch 1588.
Von den vier Feuchtigkeiten im Körper ist das Blut die köstlichste
und beste.
Dem Blut schrieb man im Altertum und Mittelalter verschiedene Eigenschaften
zu. Blut ist eine Materie der lebendigen Geister; Blut ist der Anfang,
aus ihm entsteht im Mutterleib das Herz als das vornehmste menschliche
Organ. Blut ist das Wachstum, Blut ist das Leben. In der Veterinärmedizin
glaubte von Sind 1782 an die guten oder bösen Zeichen des Blutes:
„Wenn das Blut wenige Konsistenz hat, leicht auseinander fällt,
und auch davon am Boden anhält, welches daher schwarzbräunlich
aussiehet, und einen üblen Geruch hat ist es ein Zeichen der Inflammation
und Fäulung“.
Galen (130 n.Chr.) und nach ihm die Ärzte des Mittelalters nahmen
bis zur Zeit des englischen Anatomen William Harvey (1578-1657) an, dass
das physische Pneuma in der Leber entsteht und von hieraus mit den Blutadern
in alle Organe gelangt. Das Herz enthält das Lebenspneuma; es wird
mit den Pulsadern in die Organe und Glieder gepumpt. Zuletzt gibt es das
Seelenpneuma, das mit den Flachsadern, den Nerven, in den Körper
hineinfließt. William Harvey veröffentlichte 1628 in seinem
Werk Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in animalibus die
Theorie des Blutkreislaufes. Er widerlegt die bisherige Lehrmeinung, dass
das Blut durch kleine unsichtbare Löcher direkt von der rechten in
die linke Herzkammer übertritt.
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Blutkreislauf |
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Hundebehandlung im Mittelalter |
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Cauterisieren mit Brenneisen |
Der Austritt des Blutes aus den Adern war zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte
ein dramatisches Ereignis. In der Vorstellungswelt des Mittelalters hatte
der Blutverlust eine besonders tiefgreifende Bedeutung. Leben und Tod
hingen in unmittelbarer Beziehung von der Blutung ab. Da erscheint es
nicht verwunderlich, wenn zu allererst Gott, die Sterne oder die Geister
angerufen wurden, um eine Blutung zu stillen!
Bei den Krankheiten des Menschen, die mit schweren Blutungen einhergingen,
wurde ein Medicus oder Wundarzt konsultiert. Den Blutflüssen ist
in Wirsungs Arzneibuch (1588) ein breiter Raum gewidmet. Man kannte das
Bluterbrechen, den Bluthusten, das Blutharnen, Darm- und Frauenblutungen.
Am häufigsten musste das Nasenbluten behandelt werden und dafür
gab es verschiedene Möglichkeiten. Eine verbreitete Methode war die
Verstopfung der Nasenlöcher durch die Haare vom Hasenfell oder vom
Rehbock. Als Hausmittel galt auch das kurzzeitige Abbinden der Daumen
und Arme. Ein anziehend Ding waren Klebstoffe wie verschiedene Gummiarten
oder Weihrauch. Mit Etzenden Stücklen sind lebendiger Kalk oder Salmiak
gemeint, die in die Nase gegeben wurden. Unter den Sachen, die selbst
Eigenschaften haben, verstand man Esels- und Schweinekot, als auch die
Exkremente von Kühen, Pferden, Kamelen, Hasen, Gänsen und Ziegen.
Der Kot wurde mit Kräutersäften vermischt und dann als Auflage
benutzt, in die Nase eingeträufelt oder als Medizin eingenommen.
Blutstillende Pflaster kamen gerne zum Einsatz. Der Schlehdorn, das Daschenkraut,
die Rosen und andere Pflanzen wurden wegen ihrer roten Farbe genommen.
Die Schlehe gilt auch heute noch nach den Büchern der Naturheilkunde
als Mittel gegen Nasenbluten. Wegen ihrer roten Farbe gelangten auch verschiedene
Steine wie der Augstein, der Blutstein oder der Hämatit zur Anwendung.
Nach der Sage wurde Uranus der Grossvater des Zeus von den blutigen Händen
des Kronos zerfleischt. Als Uranus dann seine mächtige Brust über
die Erde beugte, rannen einige Tropfen seines göttlichen Blutes herab
und erstarrten in der Sonnenglut zum Hämatit. Wegen seiner besonderen
Zauberkraft sollte der Hämatit sowohl Blutungen zum Stehen bringen
als auch deren Träger vor Räubern, Krankheiten, und wilden Tieren
schützen.
Die Versorgung der stark blutenden Wunden stellte die Ärzte des
Altertums und Mittelalters vor unlösbare Probleme. „Dieweil
wir nun vom Blutstellen reden/ so sag mir/wie das Blut zu stellen sey/
dann offt grosse Noth sich darbey zuträgt/ auch sich mancher bey
guten Artzten zu todt gebluten?“
Als sicherste Methode zur Behandlung der arteriellen Blutung galt das
Cauterisieren. Der Chirurg verfügte über verschiedene Brenneisen,
die er immer wieder zur Verschorfung in die Wunde einbrachte. Diese Prozedur
muss barbarisch gewesen sein. Die verkrustete Schlagader riss unter dem
arteriellen Druck immer wieder auf und zwar jedes Mal tiefer in die Wunde
hinein. Die neben der Arterie verlaufenden Nerven wurden dabei regelmässig
getroffen. In dem nekrotischen Gewebe kam es schnell zu einer Infektion,
dem Brand und immer wieder zu schwersten Nachblutungen.
Der Tierarzt Kohlwes beschrieb in seinem Vieharzneibuch aus dem Jahre
1842 zwei Methoden der Blutstillung einer frischen Wunde beim Tier, das
Unterbinden der blutenden Ader, und Hemmung der Blutung mittelst eines
auf die Wunde ausgeübten Druckes. Das beste Mittel sei allerdings
der Bovist. Dem Pilz wurden blutstillende Eigenschaften zugeschrieben.
Wenn also eine Wunde heftig blutet, so muß man die Stelle, wo die
Adern zerrissen oder zerschnitten worden ist, aufsuchen und ein der Wunde
angemessenes Stück Bovist auf die Ader drücken. .....„Den
Bovist lässt man so lange in der Wunde sitzen, bis ihn der Eiter
abstößt, welches ungefähr am dritten Tage geschieht“.
Die ersten Versuche von Bluttransfusionen gehen bis in das 17. Jahrhundert
zurück. Da weder die Blutgerinnung noch die Blutgruppen bekannt waren,
führten sie nicht zum Erfolg. Es kam zu Thrombosen, Embolie und zum
tödlichen Schock. Anfangs wurde tierisches Blut vom Schaf, Lamm oder
Hund auf den Mensch übertragen. Einen Transfusionsversuch zwischen
zwei Hunden nahm der Arzt Richard Lower 1666 in Oxford vor..
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Bluttransfusion von Hund zu Frau |
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Geburt und Horoskop |
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Die Geschichte der Blutstillung wurde in der Humanmedizin geschrieben.
Unendlich viele Menschen haben ihr Leben an der massiven Blutung verloren,
durch Unfälle, Kriegsverletzungen und schwere Krankheiten. In unserer
Welt bestehen diese Bedrohungen unvermindert fort, auch wenn die wissenschaftliche
Medizin längst ein Mittel zu einer effektiven Blutstillung in die
Hand gegeben hat. Der Tierarzt konnte an den modernen Forschungen teilnehmen
und die Ergebnisse aus sein Fachgebiet übertragen.
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