Aus der Tierklinik am Stadtwald Frankfurt,
Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Roger Bührer
Das Osteosarkom beim Hund – Erfahrungen mit einer
Gliedmassen-erhaltenden Operationstechnik
Volker Hach
Das Osteosarkom ist der häufigste Knochentumor beim Hund. Vornehmlich
sind grosswüchsige, ältere Hunde betroffen. Die Ätiologie
ist nicht eindeutig geklärt. Die häufigste Lokalisation ist
die distale Radiusmetaphyse. Die Diagnose wird histologisch gestellt,
obwohl die typisch radiologischen Veränderungen des Osteosarkoms
oftmals sehr charakteristisch sind. Die Heilungschancen werden als gering
eingestuft. In den letzten Jahren haben verschiedene chirurgische und
medikamentelle Therapieversuche zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensdauer-
und qualität der betroffenen Tiere geführt. Wir haben erste
Ergebnisse einer Gliedmassen-erhaltenden Operationstechnik mit einer Endoprothese.
Es wurden in unserer Klinik mehrere Hunde mit Osteosarkom des distalen
Radius chirurgisch mit einer Platten-Endoprothese versorgt. Die Ergebnisse
sind erfolgversprechend.
Die klinischen Symptome sind oftmals sehr charakteristisch für die
Krankheit beim Befall des distalen Radius. Die hochgradige Stützbeinlahmheit
ist für den Tierhalter schon frühzeitig zu erkennen. Der Lahmheitsgrad
kann aber vor allem im Beginnstadium der Krankheit individuell sehr variieren.
Im fortgeschrittenem Stadium ist eine Gliedmassenbelastung meist kaum
noch vorhanden.
Die Diagnose wird histologisch abgesichert. Nach unseren Erfahrungen
sind die Ergebnisse der Knochenbiopsie nicht immer zufriedenstellend und
falschnegative Ergebnisse durchaus möglich. Wir haben auf eine präoperative
Biopsie verzichtet und schicken den resezierten Knochen zur histologischen
Untersuchung ein.
Die Therapie beinhaltet grundsätzlich eine lokale Tumorentfernung
bzw. Zerstörung des tumorösen Gewebes, als auch eine Verhinderung
der systemischen Ausbreitung der Tumorzellen. Die operativen Verfahren
beinhalten die Amputation, Gliedmassen-erhaltende Verfahren und die Tumorbestrahlung.
Die hohe Wirksamkeit einer Chemotherapie ist sicher nachgewiesen und hat
zu einer entscheidenden Verbesserung der Behandlungsergebnisse geführt.
Die Strahlentherapie ist nur in Einzelfällen zu erwägen, da
das Osteosarkom kaum strahlensensibel ist.
Die Gliedmassen-erhaltene Verfahren mit Tumorresektion und Einsetzen
einer Knochenprothese oder autologem Knochenmaterial kann die Gliedmasse
erhalten. Die Überlebens- und Rezidivrate ist in der Literatur sehr
unterschiedlich. Sie variiert von Monaten bis zu Jahren. Die Funktionalität
der Gliedmasse wird bei einer Untersuchung von STRAW und WITHROW (1996)
bei über 90% der operierten Patienten als gut bis exzellent beschrieben.
Die Belastung der Gliedmasse bei unseren operierten Patienten war nach
der Operation als zufriedenstellend zu bezeichnen. In der 3- 4 Woche nach
der Operation wurde die Gliedmasse dann in allen Fällen mit allerdings
unterschiedlichem Lahmheitsgrad belastet. Inwieweit der unterschiedliche
Ausbreitungsgrad oder Zeitpunkt des Osteosarkombeginns dabei eine Rolle
spielen, konnte nicht ermittelt werden. Bei unseren Patienten kam es innerhalb
des ersten Jahres nach der Operation zu keiner Metastasierung oder Rezidivierung
.
In mehreren Studien haben verschiedene Untersuchungen keinen signifikanten
Unterschied in der Überlebenszeitdauer der operierten Patienten mit
Amputation und einer Gliedmaßen-erhaltenden Operation gesehen (STRAW
und WITHROW 1996; DERNELL et al. 2001). Die gliedmassenerhaltende Operation
wird bereits seit mehreren Jahren in den USA und in Europa durchgeführt.
In die Knochendefekte wurden früher vornehmlich kortikale Eigentransplantate
eingelegt. Wir haben mit dem Einsatz eines Metall-Implantates eine Alternative
zum Allotransplantat zur Verfügung.
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Knochentumor beim Hund vor
und nach der Operation mit eingesetztem Implantat. |
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