Aus der Tierklinik am Stadtwald Frankfurt,
Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Roger Bührer
Die biologische Osteosynthese – neue Auffassungen
in der Frakturbehandlung beim Kleintier
Volker Hach
Als Ziel einer jeden Behandlung von Frakturen beim Kleintier gilt die
vollständige Wiederherstellung der Funktion. Für die großen
Röhrenknochen ist hierfür die Osteosynthese notwendig. Konservative
Maßnahmen haben wenig Aussicht auf Erfolg.
Das Prinzip der Osteosynthese beinhaltet eine belastungsstabile und frühzeitige
Mobilisation der verletzten Gliedmasse. Dafür stehen die Verplattung
(Abb. 1), die Marknagelung (Abb. 2) und der Einsatz des Fixateur externe
(Abb. 3) zur Verfügung.
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Abb. 1 |
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Abb. 2 |
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Abb. 3 |
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Abb. 1-3 Komplizierte Splitterfrakturen mit den entsprechenden
Implantaten |
Der natürliche Ablauf der Frakturheilung soll durch die angewendete
Methode so wenig wie notwendig beeinträchtigt werden. Deshalb sind
die folgenden operationstechnischen Maßnahmen anzuwenden:
- Die Freilegung des Frakturbereichs ist so klein wie möglich zu
halten, um eine weitere Schädigung der Weichteile zu vermeiden und
die Durchblutung der Fragmente nicht zu gefährden.
- Die vitalen Fragmente werden schonend in eine für den Frakturverbund
günstigen Position gebracht, ohne sie aus dem Gewebe herauszulösen
und ohne das Frakturhämatom zu beseitigen.
- Die Konsolidierung der Fraktur wird durch eine sekundäre Knochenheilung
unter der Bildung eines überschießenden Kallus angestrebt.
„Biologische Frakturbehandlung“ bedeutet nicht, daß
alle Fragmente vom Operateur genau reponiert wurden; vielmehr kommt es
darauf an, die globale Funktion der Gliedmaße wiederherzustellen.
Das ist schon bei der primären Auswahl des Operationsverfahrens anhand
der Röntgenbilder zu beachten. Natürlich spielt die Art der
Fraktur eine wichtige Rolle; daneben kommt es aber auch auf das Alter
und das Temperament des Tieres an. Eine instabile Situation führt
zu Störungen der Frakturheilung. Als Folge sind der Bruch des Implantats
oder die Ausbildung einer Pseudarthrose zu befürchten
In der „klassischen“ Osteosynthese bestanden für die
Verplattung und für die Marknagelung differenzierte Indikationen,
die den Ausgleich der spezifischen Vorteile und Nachteile erreichen sollten.
Mit der Einführung des Trilam-Nagels ist eine neue Orientierung unter
Berücksichtigung der biologischen Aspekte einer Frakturheilung notwendig
geworden.
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