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und der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Institut für Pathologie
(Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Baumgärtner)
Insulinom bei einem Hund - Fallbericht mit umfassender
klinischer und histopathologischer Aufarbeitung/ Insulinoma in a Dog -
Case report with thorough clinical and histopathological findings
Olivier Godfroy, Wolfgang Baumgärtner, Friederike Alt und Volker
Hach
Zusammenfassung
Es wird ein achtjähriger Foxterrier mit Insulinom des Pankreas vorgestellt.
Anhand der Kasuistik werden das Krankheitsbild, die Diagnostik inklusive
des histologischen Befunds und Differentialdiagnostik sowie die Therapie
des Hyperinsulinismus erläutert.
Summary
An insulinoma of the pancreas was found in an eight-year-old foxhound.
Considering this case, clinical signs, diagnosis as well as histology,
differential diagnosis and therapy of the disease are discussed.
Einleitung
Das Pankreas ist beim Hund ein V-förmiges Organ, dass kranio-dorsal
im vorderen Abdomen liegt. Der rechte Lappen erstreckt sich entlang des
Duodenums bis zum Pylorus, der linke Lappen vom Pylorus entlang der großen
Kurvatur des Magens. Über zwei Gänge gelangen die Sekrete der
Bauchspeicheldrüse ins Duodenum. Funktionell wird zwischen einem
endokrinen und einem exokrinen Anteil unterschieden.
Das endokrine Pankreas besteht fast nur aus den Langerhansschen Inseln.
Dessen Hauptzellen sind a, ß, d-Zellen (a, b, d Zellen). a- Zellen
bilden Glukagon, ß-Zellen Insulin, und d-Zellen Somatostatin.
Die meisten Tumore des Pankreas sind hormonell aktiv, ß-Zelltumore
werden als Insulinome bezeichnet. Selten entwickeln sich Tumore aus pluripotenten
epithelialen Zellen. Sie sind mit der Produktion von Gastrin, Sekretin,
Glukagon, Somatostatin, vasoaktiver intestinaler Peptide und anderer gastrointestinaler
Hormone assoziiert (MEUTEN 2002).
Das Insulinom beim Hund ist eine seltene Krankheit. Es handelt sich um
einen Tumor des endokrinen Pankreas, der von den ß-Zellen der Langerhans-Inseln
ausgeht. Das Tier erkrankt mit körperlicher Schwäche, epileptiformen
Anfällen, Polyphagie und Polydipsie. Die klinischen Untersuchungsbefunde
sind unauffällig. Im biochemischen Blutstatus kann die Glukose erniedrigt
sein. Anhand der eigenen Beobachtung soll der manchmal schwierige Weg
zur richtigen Diagnose erörtert werden.
Falldarstellung
Ein achtjähriger weiblicher kastrierter Foxterrier wurde wegen 6
bis 8 Wochen bestehender Ataxie, Inkontinenz, Zittern, Krämpfen,
Polyurie und Polydipsie vom Haustierarzt in unsere Klinik überwiesen.
Vor einem halben Jahr hatte der Tierhalter zwei epileptiforme Anfälle
beobachtet.
Die klinische Untersuchung zeigte keine auffälligen Befunde. Bei
der blutchemischen Untersuchung war der Glukosespiegel mit 2,99 mmol/l
deutlich vermindert (Referenz VetTest 4,28-6,94). Die Bestimmung von Insulin
im Blut ergab mit 75,4 U/l (Referenz 4,9-27,8) einen erhöhten Wert.
Die Ultraschalluntersuchung ließ keine Besonderheiten erkennen.
Aufgrund der Verdachtsdiagnose eines Insulinoms erschien die Probe-Laparotomie
indiziert.
Operation
Die Narkose wurde mit Diazepam, Atropin, Ketamin und Xylazin eingeleitet
und dann mit einem Isofluran-Sauerstoff-Luft-Gemisch fortgesetzt. Der
Zugang zur Bauchhöhle erfolgte über eine mediane Laparatomie.
Im Bereich des duodenalen Schenkels der Bauchspeicheldrüse ließen
sich zwei stecknadelkopfgroße derbe Tumore palpieren. Der betroffene
Schenkel wurde mittels „Suture Fracture“ Technik in toto entfernt
(Abb.1 und 2). Die Exploration der Bauchhöhle ergab keine Hinweise
auf Metastasen. Die Antibiose (Amoxicillin) und Analgesie (Rimadyl/Novalgin)
wurden über drei Tage fortgeführt. Der Hund blieb nach der Operation
48 Stunden lang nüchtern und erhielt Infusionen mit Vollelektrolyt-Lösung
sowie 2,5% Glukose. Nach zunächst rascher Erholung entwickelte sich
am vierten Tag eine deutliche Hyperglykämie, die jedoch ohne Behandlung
in den folgenden zwei Tagen abklang. Die klinische Verdachtsdiagnose eines
Insulinoms konnte durch die histologische Untersuchung bestätigt
werden.
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| Operationstechnik |
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Histologischer Befund
Bei der histologischen Untersuchung finden sich innerhalb des regelrecht
ausgebildeten exokrinen und endokrinen Pankreas und am Rande im angrenzenden
Fettgewebe lokalisiert zwei von einer dünnen Bindegewebekapsel begrenzte
epitheliale Zellproliferationen (Abb.3). Diese bestehen aus mittelgroßen
Zellverbänden und einem kollagenfaserreichen, gefäßhaltigem
Stroma. Hierbei fällt auf, dass in der Peripherie der Kollagengehalt
deutlich erhöht ist, während innerhalb der Zellproliferation
nur feingliedrige fibrovaskuläre Septen nachweisbar sind. Die epithelialen
Zellen weisen prominente vesikuläre Zellkerne und ein schwach eosinophiles,
mäßig ausgeprägtes und begrenztes Zytoplasma auf. Die
Zellkerne besitzen eine mäßige, gering- bis mittelgradige Anisokaryose,
einzelne prominente Nukleoli und die Mitoserate liegt bei 0 Mitosefiguren
pro großem Gesichtsfeld (Abb.4). Die morphologischen Veränderungen
aber insbesondere das multiple Auftreten führten zur Diagnose eines
Karzinoms des endogenen Pankreas. Mittels Synaptophysin-Nachweises (Dako,
M0776, monoklonaler Mausantikörper, Rind-anti-Synaptophysin) konnte
eine prominente Immunreaktion in den unveränderten endokrinen Pankreasanteilen
wie auch in der Neoplasie nachgewiesen werden (Abb.5). Daraus lässt
sich auf den neuroendokrinen Ursprung der Neoplasie schließen. Trotz
des hohen Differenzierungsgrades und der prominenten Kapselbildung wurde
auf Grund des multilobulären Auftretens ein gut differenziertes Karzinom
diagnostiziert. Allerdings fanden sich keine Hinweise auf eine Gefäßinvasion,
wie dies charakteristisch für ein Karzinom wäre. Nach Literaturangaben
sind beim Hund ca. 60% der Inselapparattumoren Karzinome und 40% stellen
sich als Adenome dar (MEUTEN, 2002).
Weiterer Krankheitsverlauf
Nach anfänglicher Symptomfreiheit kam es nach 36 Tagen zu einem Rezidiv
infolge Metastasierung. Die alleinige Therapie mit Prednisolon in der
Dosierung von 1mg/kg auf zwei Gaben verteilt reichte aus, um die Beschwerden
zu lindern. Die Gabe von Diazoxide ist bis zum heutigen Tag ca. 1,5 Jahre
nach der Operation noch nicht erforderlich geworden.
Diskussion
Krankheitsbild
Die Häufigkeit von Insulinomen korreliert positiv mit dem Lebensalter
der Tiere. In biologischer Hinsicht verhalten sich Insulinome beim Hund
meistens bösartig (ETTINGER und FELDMAN, 2000). Im Gegensatz dazu
ist das Insulinom beim Menschen in über neunzig Prozent der Fälle
gutartig (MITTENDORF et al., 2004) . Die Metastasierung erfolgt in die
regionären Lymphknoten des Magen-Darm-Trakts sowie in Leber, Mediastinum
und Milz. Die Lunge ist in der Regel nicht betroffen.
Insulin bzw. Proinsulin wird in den ß-Zellen des Pankreas gebildet.
Die Hormonproduktion ist unter physiologischen Bedingungen durch eine
negative Rückkopplung an den Glukosespiegel im Blut gebunden. Die
Hypoglykämie führt zu einer Senkung der Insulinsekretion. Die
Zellen des Insulinoms arbeiten autonom, sie sind dem Regelkreis also nicht
unterworfen. Die Hormonproduktion von entarteten ß-Zellen kann zwar
durch den Blutspiegel von Glukose und Glukagon beeinflusst werden, die
negative Rückkopplung greift aber nicht oder sie greift nur unzureichend,
so dass Hypoglykämien entstehen (HUTCHISON 1996)
Insulin hat ein weitreichendes Wirkungsspektrum. Demzufolge zeigt auch
der Insulinüberschuss eine vielfältige Symptomatik. Vereinfacht
lässt sich sagen, dass alle Mechanismen zur Bereitstellung von Glukose
gehemmt und der Glukoseverbrauch im Körper gesteigert wird. Glukose
ist der wichtigste Energielieferant für das zentrale Nervensystem
und alle anderen Körperzellen. Wegen der geringen Reserven von Glukose
bleibt das Gehirn auf eine regelmäßige Zufuhr angewiesen. Die
Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die Nervenzelle findet hauptsächlich
durch Diffusion statt. Der Hyperinsulinismus führt über den
Abfall der Glukosekonzentration im Blut zu einer zerebralen Symptomatik.
Bei länger anhaltenden Hypoglykämien wird das Gehirn irreversibel
geschädigt. Es wurden Schäden an Cortex und Hippocampus beim
Hund beschrieben (FELDMANN und NELSON, 1996; SHIMADA et al., 2000). Auch
andere Organe wie Herz, Nieren und Leber sind auf die ausreichende Zufuhr
von Glukose angewiesen. In der hypoglykämischen Krise stirbt ein
Hund selten. Es treten Gegenregulationen in der Form ein, dass Glukagon
aus dem Pankreas sowie Adrenalin und Cortisol aus der Nebenniere und Wachstumshormon
(GH) aus der Hypophyse zur Antagonisierung der Insulinwirkung freigesetzt
werden.
Die Konsultation durch den Tierhalter erfolgt meistens wegen allgemeiner
Schwäche des Tieres, Krampfanfällen, Polyphagie oder Polydipsie
(Tab.1). Hinzu kommt eine vegetativ-nervöse Symptomatik mit Schwindel,
Müdigkeit und Tachykardie. Später treten Störungen des
zentralen Nervensystems mit Dämmer- und Erregungszuständen oder
Lähmungen auf. Es besteht die Gefahr des hypoglykämischen Schocks.
Die Intensität der klinischen Erscheinungen hängt von der Dauer
der Krankheit und dem Ausmaß der hypoglykämischen Krisen ab.
Bei längeren Krankheitsverläufen werden von den Tieren relativ
niedrige Glukosespiegel ohne klinische Ausfallserscheinungen toleriert.
In der Humanmedizin wird von der Whipple´schen Trias gesprochen.
Dazu gehören die neurologischen Symptome, die Hypoglykämie und
die Normalisierung des Zustandes nach Nahrungsaufnahme oder Glukosezufuhr.
Die klinische Untersuchung ergibt meist wie auch bei dem von uns untersuchten
Tier keinen besonderen Befund. Manchmal wird eine Gewichtszunahme beobachtet,
die wohl mit dem anabolen Effekt von Insulin zusammenhängt.
Das Problem der Diagnostik besteht darin, dass die Hypoglykämien
episodenhaft auftreten und immer nur kurze Zeit anhalten. Die Situation
dauert in der Regel wenige Sekunden oder Minuten, dann setzen schon die
Gegenregulationen ein, um den Glukosespiegel im Blut ansteigen zu lassen.
Sobald diese Mechanismen versagen, kommt es zu Synkopen, seltener auch
zu einem epileptiformen Anfall oder zum Muskeltremor. Längere Nüchternheit,
körperliche Belastung, Stress oder ein Rebound-Effekt bei der Nahrungsaufnahme
führen ebenfalls eine Hypoglykämie herbei.
In der Labordiagnostik steht die Bestimmung des Glukosespiegels im Blut
an erster Stelle. Falls nicht wie bei unserem Patienten eine Hypoglykämie
nachgewiesen werden kann, sollte der Hund im Verdachtsfall nüchtern
bleiben und weitere Glukose-Bestimmungen in zweistündlichen Abständen
erfolgen. In der Regel sind dann schon innerhalb der nächsten zwölf
Stunden verminderte Werte zu finden. Umfassende blutchemische Untersuchungen
sind notwendig, um andere Ursachen einer Hypoglykämie differentialdiagnostisch
auszuschließen (Tab. 2).
Die Bestimmung von Insulin erfolgt in einer tiefgefrorenen Blutprobe.
Die Blutentnahme muss stattfinden, wenn der Blutzuckerspiegel möglichst
niedrig ist. Während der Hypoglykämie kommt es bei einem gesunden
Tier zu einer Suppression der Insulinproduktion, bei einem Insulin-produzierenden
Tumor dagegen nicht oder nur in vermindertem Ausmaß. Der Insulin-Glukose
oder der Glukose-Insulin Quotient haben an Bedeutung verloren. Unser Patient
zeigte schon zum Zeitpunkt der Erstuntersuchung in unserer Klinik eine
Hypoglykämie, so dass eine Insulin-Bestimmung sofort eingeleitet
werden konnte.
Die moderne bildgebende Diagnostik spielt eine zunehmende Rolle. In manchen
Fällen lässt sich bei der Ultraschalluntersuchung eine echoarme
Formation im Pankreas darstellen. Oft jedoch bleibt die Sonographie wie
auch bei unserem Fall ohne besonderen Befund. Auf der Röntgenübersichtsaufnahme
ist der Tumor wegen seiner geringen Größe nicht erkennbar.
Als weitere Untersuchungsmethode kommt die Computertomographie in Betracht.
Hinsichtlich ihrer Spezifität und Sensitivität können weder
die Sonographie, noch die Computertomographie oder SPECT (single photon
emission computed tomographie - eine Sonderform der Somatostatin-Rezeptor
Scintigraphie) überzeugen. Mit keiner der Methoden lassen sich alle
Tumoren und Metastasen eindeutig von gesundem Gewebe unterscheiden. Die
Hand des Chirurgen wird als „goldener Standard“ in der Tiermedizin
angesehen (ROBBEN 2005).
Die endgültige Diagnose ist erst durch die histopathologische Untersuchung
möglich.
Therapie
Ob sich die Überlebenszeiten besser durch die chirurgische oder durch
eine primär konservative Therapie verlängern lassen, wird kontrovers
diskutiert. Die einzige Option für eine Heilung besteht in der frühzeitigen
Entfernung des Tumors. Die Operation bringt für die weitere Behandlung
deutliche Vorteile (TOBIN et al., 1999). Beim Menschen ist die Operation
in der überwiegenden Zahl der Fälle heilend, da es sich meistens
um gutartige Adenome handelt (VAZQUEZ, 2004). In der Tiermedizin wird
im Gegensatz dazu eine Heilung selten erreicht, weil der Tumor maligne
ist und frühzeitig metastasiert. In den meisten Fällen kommt
eine Kombination der beiden Verfahren in Betracht.
Chirurgische Behandlung
Vor der Operation erhält der Patient eine Infusionstherapie mit Elektrolyten
und 2,5-5% Glukose. Eine höhere Glukosekonzentration sollte vermieden
werden, um eine Stimulation des Tumors zu vermeiden. Die Folge wäre
eine Hypoglykämie. Während des operativen Eingriffs wird mindestens
eine zweimalige Kontrolle des Blutzuckers empfohlen.
Bei der Laparatomie werden zunächst die Organe auf Metastasen abgesucht,
die sehr klein sein können. Nicht jeder Pankreastumor ist makroskopisch
gleich zu erkennen. Er zeigt sich erst bei der vorsichtigen Palpation
an einer umschriebenen, oft nur stecknadelkopfgroßen Verhärtung.
Auch bei dem vorgestellten Patienten konnten die beiden Tumore nur palpatorisch
aufgespürt werden. Die Geschwulst kann entweder im Pankreaskörper
oder in einem der beiden Pankreasschenkel lokalisiert sein. Tumoren im
Pankreasköper lassen sich im Rahmen der Veterinärchirurgie nicht
entfernen. Dagegen wird ein betroffener Pankreasschenkel radikal reseziert.
Neunzig Prozent des Pankreasgewebes können ohne klinische Folgen
entnommen werden.
Dem Chirurgen kann intraoperativ die Unterscheidung zwischen einem Insulinom
und einer nodulären Hyperplasie des Pankreasgewebes Schwierigkeiten
bereiten. Die noduläre Hyperplasie wird als fortgeschrittenes Stadium
einer chronischen Pankreatitis interpretiert. Hier liegen Gewebsdefekte
und Regenerate nebeneinander und führen zu der knotigen Beschaffenheit
des Organs.
Fokale Läsionen im Pankreas wie das Insulinom können mit der
„Suture Fracture“ Technik entfernt werden. Bei dieser Methode
erfolgt zunächst die Eröffnung des Mesoduodeums und des Omentums
an beiden Seiten der Bauchspeicheldrüse. Durch die Löcher hindurch
wird das Pankreas mit nicht resorbierbarem Faden umfahren und durch das
Anziehen des Knotens langsam eingeschnürt und gespalten (Abb.1 und
2). Dabei kommt es zum Verschluss der Gefäße und der Sekretgänge
ohne Gefahr einer Berührung des aggressiven Pankreassaftes mit dem
Peritoneum. Die Löcher im Netz werden anschließend wieder vernäht.
Mittels dieser Technik wurde bei unserem Patienten der duodenale Pankreasschenkel
komplikationslos entfernt.
Nach der Operation ist eine intensivmedizinische Behandlung erforderlich.
Postoperative Komplikationen sind relativ häufig zu beobachten. Dazu
gehören die sekundäre Pankreatitis und Entgleisungen des Stoffwechsels
mit Hypo- und Hyperglykämien sowie Elektrolytstörungen. Der
Patient darf mindestens 48 Stunden nach der Operation kein Futter erhalten.
Die Infusionen bestehen aus Voll-Elektrolyt-Lösungen mit 1,5-5% Glukose.
Die Entwicklung einer diabetischen Stoffwechsellage nach der Operation
beruht auf der Atrophie von normalen ß-Zellen des Pankreas infolge
der präoperativ längerzeitig erhöhten Insulinspiegel im
Blut. In der Regel handelt es sich aber nur um ein kurzfristiges und reversibles
Problem. Eine Therapie dieses sekundären Diabetes mit Insulin ist
normalerweise nicht erforderlich, sie kommt allenfalls beim Auftreten
von Ketonkörpern im Urin in Betracht. Auch das von uns behandelte
Tier entwickelte vier Tage post operationem eine Hyperglykämie, die
ohne Behandlung abklang (Abb.6). Hunde, die nach der Operation immer noch
hypoglykämisch sind, haben mit hoher Wahrscheinlichkeit Insulin-sezernierende
Metastasen.
Konservative Behandlung
Im Rahmen einer konservativen Therapie kann die regelmäßige
Fütterung von kleinen Portionen helfen, um die Überstimulierung
der Insulin-Produktion zu reduzieren. Solange der Hund fressen kann, sollten
Zuckerlösungen vermieden werden. Verabreicht der Tierhalter eine
konzentrierte Zuckerlösung im Anfall, dann kommt es nach einer halben
bis zwei Stunden oft zu einer noch stärkeren Hypoglykämie. Die
Notfallversorgung des hypoglykämischen Komas erfolgt mit einer niedrig
dosierten (1-5ml/Tier) 50% Glukoselösung i.v. und nachfolgend mit
einer Elektrolyt-Lösung mit 2,5-5% Glukose. Die intravenöse
Gabe von Dexamethason (Dexamethason 0,4Pâ Firma Albrecht) in der
Dosierung von 0,5-1mg/kg hat sich bewährt. Bei nicht-responsiven
Fällen bietet sich die Infusion von Glukagon an (GlukaGen â
Firma NovoNordisk). Es wird 1mg in 1000ml 0,9% Kochsalz-Lösung mit
der Geschwindigkeit von 5-10 ng/kg/min infundiert und dann die Dosierung
schrittweise vermindert.
Die Anwendung von Prednisolon sollte zusätzlich zur Fütterungstherapie
oder im Anschluss daran eingesetzt werden. Niedrige orale Dosen von 0,5mg/kg,
auf zwei- bis dreimal pro Tag verteilt, reichen anfangs aus, die Insulinwirkung
zu antagonisieren. Die Dosierung wird Schritt für Schritt den Bedürfnissen
angepasst.
In der konservativen Therapie des nicht operablen Insulinoms hat Diazoxide
(Proglicemâ 25/100 mg Firma Essex Pharma) eine wichtige Bedeutung.
Das Benzthiadiazinderivat bewirkt eine direkte Hemmung der Insulinsekretion
und hat einen diabetogenen Effekt. Es werden 10-60 mg/kg in zwei bis drei
Gaben auf den Tag verteilt. Proglicem findet in der Regel erst Anwendung,
wenn die Nebenwirkungen der Prednisolontherapie zu bedeutend werden.
Somatostatin und sein Analogon Octreotid (Sandostatinâ Firma Novartis
Pharma) hemmen über verschiedene Mechanismen die Freisetzung fast
aller im Gastrointestinaltrakt gebildeten Hormone, und somit auch die
Insulinsekretion aus Insulinomen. Octreotid wird in der Dosierung von
10-40µg/ Hund alle 6-12 Stunden subkutan verabreicht. Die Rate von
Nebenwirkungen scheint beim Hund gering, die Wirkung ist dennoch umstritten.
(SIMPSON, 1995). Das Ansprechen ist von Hund zu Hund unterschiedlich.
Es sollte berücksichtigt werden, dass durch Somatostatin nicht nur
Insulin, sondern auch die Sekretion von Glukagon und Wachstumshormon unterschiedlich
stark gehemmt wird. Außerdem verfügt nur ein Teil der Tumore
über Rezeptoren für Somatostatin. Mit diesen Medikamenten lässt
sich die Hypoglykämie in 40-50% der Fälle erfolgreich bekämpfen.
Die Chemotherapie von ß-Zell-Tumoren z.B. mit Streptozotocin wird
in der Literatur kontrovers diskutiert (MOORE et al., 2002).
Die Langzeitprognose des Insulin-produzierenden Tumors ist vorsichtig
zu stellen. Die oft inoperablen Geschwülste oder nicht zu lokalisierenden
Metastasen führen über kurz oder lang wieder zu Hypoglykämien.
Die mittlere Überlebenszeit von Hunden nach erfolgreicher Operation
beträgt etwa 300-350 Tage, nur 15% erreichen eine Überlebenszeit
von zwei Jahren und länger.
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