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Die karpale Hyperextension – Diagnose, Differentialdiagnose
und Therapie
Volker Hach
Die karpale Hyperextension des Junghundes beruht auf einer Fehlstellung
der Karpalgelenke. Es handelt es sich um eine Erkrankung schnell wachsender
Hunde in der Jungend. Eine genetische Komponente scheint ätiologisch
als wahrscheinlich. Der Ausbruch der Krankheit ist oftmals akut und kann
in Zusammenhang mit Stressfaktoren wie der Zahnbildung oder dem Beginn
der Geschlechtsreife stehen. Der Deutsche Schäferhund scheint am
häufigsten betroffen zu sein, obwohl auch das Krankheitsbild beim
Rottweiler, Deutschen Dogge, Golden Retriever, Dobermann oder dem Sharpei
beschrieben wurde. Inwieweit diätetische Einflüsse als Krankheitsursache
eine Rolle spielen wird kontrovers diskutiert. Eine Hyperflexion der Tarsalgelenke
sowie eine karpale Instabilität in Form von Varus- oder Valgusdeformationenn
können gleichzeitg vorliegen. Röntgenologisch lassen sich meist
keine Veränderungen erkennen. In chronischen Fällen lässt
sich manchmal eine Abrundung der Karpalknochen erkennen. Da die Ätiologie
nicht vollständig geklärt ist, gibt es keine einheitliche Therapie.
Als Therapie empfehlen wir den Patientenbesitzern das Laufen der Tiere
auf weichen Boden. Das Anlegen eines Stützverbandes ist kontraindiziert.
Die verschiedenen Formen der Polyarthritis können auch zu einer
Hyperextension im Karpalgelenk führen. Man spricht von einer Polyarthritis
wenn mindestens zwei Gelenke erkrankt sind. Während primär infektiöse
Prozesse meist nicht zu einer Fehlstellung im Karpalgelenk führen,
kann es bei den nicht-infektiösen, immuninduzierten Arthritiden zu
einer Hyperextension kommen. Die rheumatoide Polyarthritis ist die wichtigste
erosive Form. Es handelt sich dabei um eine destruktive entzündliche
Arthritis mit chronischem Verlauf. Sie tritt beim Hund, seltener bei der
Katze gesehen. Es scheinen vor allem kleinere Hunderassen mittleren Alters
betroffen sein. Pathogenetisch steht eine chronisch-entzündliche
Synovitis im Vordergrund. Der Rheumafaktors kann nicht immer nachgewiesen
werden, wird aber mit längerem Krankheitsverlauf zunehmends zuverlässiger.
Negative und falschpositive Befunde sind durchaus möglich. Die betroffenen
Tiere zeigen an einer oder mehrere Gliedmassen Lahmheit unterschiedlichen
Schweregrades Am häufigsten manifestiert sich die Krankheit in den
Karpal- und Tarsalgelenken. Im Anfangsstadium steht eine schmerzhafte
Gelenkschwellung im Vordergrund, im fortgeschrittenen Verlauf können
in den Karpal- und Tarsalgelenken Hyperextension und Deformationen entstehen.
Die radiologischen Befunde sind für die Diagnose von entscheidender
Bedeutung. Anfangs lassen sich nur Veränderungen am subchondralen
Knochen erkennen, im fortgeschrittenen Stadium kommt es dann zu Auflösungserscheinungen
am Knochen. Eine kausale Therapie gibt es bisher nicht. Mit nichtsteroidalen
Antiphlogistika lässt sich nur im Anfangsstadium eine klinische Besserung
erreichen. Bei fortgeschrittener Krankheit wird Prednisolon in hoher Dosierung
(2-4 mg/kg KGW) täglich. Eine Kombination von Prednisolon mit Zytotoxika
Cyclophosphamid oder Azathioprin. Zur Verminderung der Symptome kann eine
Synoviektomie oder eine Radioynoviorthese durchgeführt werden. Eine
ausgeprägte karpale Hyperextension bleibt trotz der Medikation bestehen.
Zu der Krankheitsgruppe der immuninduzierten, nicht erosiven Polyarthritis
haben die idiopathische Polyarthritis und der systemische Lupus erythematodes
die grösste klinische Bedeutung. Sowohl die klinische Symptomatik
als auch die karpale oder tarsale Hyperextension sind bei der idiopathischen
Form nicht ganz so ausgeprägt wie bei den erosiven Krankheitsformen.
Die Therapie mit Immunsuppressiva und entzündungshemmenden Präparaten
kann zur Beschwerdefreiheit führen. Eine Rezidivgefahr bleibt aber
trotzdem bestehen.
Eine traumabedingte karpale Hyperextension ist die Folge von Rupturen
des palmaren Lig. accesoriometacarpeum und carpometacarpeum palmare und/oder
der Kollateralbänder. Die Folge kann eine vollständige Hyperextension
mit plantigrader Fussung der Gliedmasse im Karpalgelenk sein. Je nach
Ausmass der Läsion unterscheidet man 3 Kategoriern von Verletzungen
mit Hyperextensionsfolge im Karpus. Um das Ausmass der Verletzung abzuschätzen
müssen Röntgenaufnahmen in gehaltener Position durchgeführt
werden. Die konservative Therapie ist nicht zu empfehlen. Wir empfehlen
eine partielle oder eine Panarthrodese.
Durch eine Immobilisation von Gelenken kann es ebenfalls zu einer Hyperextension
im Karpus kommen. Besonders häufig erkennt am diesen Zustand nach
Verbandsabnahme beim Jungttier nach konservativer Frakturbehandlung. Die
Gelenke stabilisieren sich jedoch wieder relativ schnell und die Hyperextension
meist wieder reversibel.
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