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Aus der Tierklinik am Stadtwald Frankfurt,
Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Roger Bührer
Wachstumsstörungen mit Gliedmassendeformationen
Volker Hach
Einleitung
Wachstumsstörungen des Skeletts werden beim jungen Hund relativ häufig
beobachtet. Zu den genetisch bedingten Krankheiten gehören die Osteochondrose
und bestimmte Stoffwechselstörungen. Weiterhin kommt die Beeinträchtigung
des Epiphysenwachstums in Betracht, die verschiedene Ursachen haben kann.
Wenn sie bei den parallel wachsenden Knochen des Unterarms und Unterschenkels
auftritt, sind die Folgen besonders schwerwiegend und für den Tierhalter
schon im Frühstadium erkennbar. Anhand von Kasuistiken werden verschiedene
Krankheiten und die Möglichkeiten der Therapie vorgestellt.
Distractio cubiti (X-Beinstellung der Vordergliedmassen)
Bei der Distractio cubiti liegt eine Subluxation des Radiusköpfchens
infolge des asynchronen Längenwachstums von Radius und Ulna (Abb.
1). Die Fehlbildung ist genetisch bedingt. Sie kommt vor allem bei den
chondrodystrophoiden Rassen wie dem Teckel oder dem Basset vor. Klinisch
fällt die Valgusstellung (X-Beinstellung) des Karpalgelenks mit gleichzeitger
Varusstellung (O-Beinstellung) im Ellbogen auf. Zusätzlich können
Verbiegungen der Knochen von Elle und Speiche vorhanden sein. Die Diagnose
wird durch die Röntgenaufnahme bestätigt. Die Therapie besteht
in der Resektionsosteotomie der Ulnadiaphyse oder in der Ulnadefekt-Osteotomie.
Dadurch wird das ungehinderte Wachstum des Radius gewährleistet.
Eine abwartende oder konservative Behandlung ist nur in Einzelfällen
zu empfehlen. In der Regel ist die chirurgische Therapie erfolgversprechend.
Traumatische Wachstumsstörungen
Die Wachstumsfuge kann durch ein Trauma vollständig oder partiell
geschädigt werden. Dadurch kommt es zur Verzögerung des Längenwachstums
mit Verkrümmung des betroffenen Knochens (Abb. 2). Die Ausrichtung
der Deformation als Valgus- oder Varusstellung wird durch die Lokalisation
der geschädigten Wachstumsfuge und durch das verbleibende Wachstumspotential
bestimmt. Die Therapie ist immer chirurgisch. Durch die Korrekturosteotomie
soll die Wiederherstellung einer normalen Gliedmassenfunktion und die
achsengerechte Stellung angestrebt werden. Besonders schwierig ist die
Behandlung der Salter-Harris Typ 5 Epiphysenschädigung in den frühen
Wachstumsmonaten. Darunter wird eine traumatische Stauchung der Wachstumsfuge
verstanden. Der vorzeitige Verschluss der Epiphyse führt dann zu
einer beträchtlichen Verkürzung des Beins. Hier ist die Distraktionsosteotomie
indiziert. Die Therapie mit einem speziellen Distraktionsapparat kann
sehr langwierig und kompliziert sein. Eine chirurgische Therapie ist allerdings
nur dann sinnvoll, wenn es nicht zu einer Versteifung des naheliegenden
Gelenkes gekommen ist.
Stoffwechselkrankheiten
Es gibt einige Stoffwechselkrankheiten, die mit einer Störung des
Bewegungsapparates einhergehen. Es werden entsprechende Kasuistiken der
Osteopetrose und der Osteodystrophia generalisata vorgestellt.
Bei der Osteopetrose handelt es sich um eine seltene Krankheit des Skelettsystems
bei Hund und Katze (Abb. 3). Die Ätiologie ist unbekannt, eine erbliche
Disposition gilt jedoch als sehr wahrscheinlich. Bei der Krankheit kommt
es zu einer generalisierten Dickenzunahme des Knochens mit Einengung des
Markraums. Folglich kommt es zu einer Zunahme der Knochenhärte- und
dichte mit einer Neigung zu pathologischen Frakturen mit entsprechender
Deformation der betroffenen Skelettanteile. Die Diagnose stützt sich
vor allem auf die radiologischen und histologischen Befunde. Eine chirurgische
Therapie der Frakturen führt nicht zu einer Heilung sondern hat einen
palliativen Charakter.
Die Osteodystrophia fibrosa generalisata ist eine Stoffwechselkrankheit
der jugendlichen Katze (Abb. 4). Als Ursache ist ein Überangebot
an Phosphat bei gleichbleibendem oder reduziertem Kalziumgehalt in der
Nahrung verantwortlich. Es sind vornehmlich Tiere betroffen, die fast
ausschließlich mit phosphatreichen Innereien (Leber, Niere) ernährt
werden. Im gesamten Skelettsystem kann es zu deutlichen Deformationen
mit Stauchungs- und Kompressionsfrakturen kommen. Eine Frakturtherapie
wird nicht empfohlen. Die Deformationen der Gliedmassen sind im fortgeschrittenem
Krankheitsfall nicht mehr reversibel. Im Anfangsstadium der Krankheit
kann eine ausgewogene Ernährung mit einem Ca/P Verhältnis von
1,2/0,8 zur Heilung führen.
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| Abb. 1 |
Abb. 2 |
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Abb. 3 |
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Abb. 4 |
Zusammenfassung
Jede Deformierung einer Gliedmasse bedarf der differenzierten Abklärung.
Solange die Epiphysenfugen ihre osteogenetische Aktivität erhalten
haben, sind chirurgische Korrekturen erfolgversprechend. Die abwartende
Haltung ist deshalb nicht zu empfehlen. Beim erwachsenen Tier empfehlen
wir bei einer Gliedmassendeformation ohne entsprechende klinische Symptomatik
nicht in jedem Fall eine chirurgische Therapie.
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