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Aus der Tierklinik am Stadtwald Frankfurt,
Leitender Tierarzt Dr. med. vet. Roger Bührer
Häufige Wachstumsstörungen der Vordergliedmasse
beim Hund Volker Hach
Wachstumsstörungen des Skeletts kommen beim jungen Hund relativ
häufig vor. Neben stoffwechselbedingten oder enchondralen Ossifikationsstörungen
sowie Wucherungen des Knorpels der Wachstumsfuge können traumatische
Schäden der Epiphyse dazu führen. An den parallel wachsenden
Knochen des Unterarms und des Unterschenkels sind die Deformierungen besonders
schwerwiegend und vom Tierhalter bereits im Frühstadium zu erkennen.
Das Wachstum der Röhrenknochen beruht auf dem Ersatz der chondroiden
Zellen durch Knochengewebe. Nach der Bildung des diaphysären Knochens
entwickeln sich die Knochenkerne aus dem Perichondrium in den knorpeligen
Epiphysen. Von hier geht dann das Längenwachstum des Knochens aus.
Vor allem die parallel wachsenden Knochen des Unterarms sind auf ein ausgewogenes
Längenwachstum angewiesen, anderenfalls kommt es zu einer deutlichen
Achsenabweichung und Fehlstellung der Gliedmasse.
Die Wachstumspotenz der einzelnen Fugen ist sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Das hat für die Therapie eine grosse Bedeutung. Die proximale Epiphyse
des Radius erbringt etwa 40%, die distale dagegen 60% des Längenwachstums.
Bei der Ulna sind nur 15% vom proximalen Anteil und 85% von der distalen
Wachstumsfuge für das Längenwachstum verantwortlich. Zwischen
dem 4. und 7. Lebensmonat ist das Wachstum am stärksten, da in dieser
Zeit 90% der endgültigen Gliedmassenlänge erreicht wird. Der
Abschluss des Längenwachstums ist etwa am Ende des 11. Lebensmonats
mit dem Schluss der Fugen vollendet.
Von der Lokalisation einer Wachstumsstörung hängt es ab, ob
daraus eine Valgus- oder eine Varusdeformation der Gliedmasse resultiert.
An der vorderen Extremität ist ein frühzeitiger Schluss der
distalen Ulnafuge am häufigsten zu beobachten. Das führt dann
zur Valgusdeformation (Abb. 1) mit zusätzlicher Subluxation im Ellbogengelenk.
Der vorzeitige Schluss der distalen Radiusfuge hat eine Varusdeformation
zur Folge(Abb. 2). Er kommt vergleichsweise selten vor. Das Ausmass der
Deformierung richtet sich nach der Wachstumsintensität der betroffenen
Epiphysenfuge. Obwohl sich die Diagnose meistens schon durch die klinische
Untersuchung stellen läßt, sind Röntgenaufnahmen im latero-lateralen
und anterio-posterioren Strahlengang indiziert (Abb. 3).
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Abb. 1
Valgusdeformation des Karpalgelenks bei einem 7 Monate alten Mops. |
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Abb. 2
Beidseitige Varusdeformation des Karpalgelenks bei einem 6 Monate
alten Dogo Argentino. |
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Abb. 3a,b
Röntgenaufnahmen im latero-lateralen und anterio-posterioren
Strahlengang.
a) Winkelfehlstellung in der linken Gliedmasse.
b) normale Gliedmasse. Jack-Russel Terrier, 6 Monate alt |
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Die Therapie einer Gliedmassendeformierung erfolgt in der Regel auf operativem
Wege. Das Ziel besteht darin, den Fehlwuchs möglichst bald und endgültig
zu beseitigen. Die Wahl der Operationsmethode hängt entscheidend
vom Alter des Tieres, vom Ausmass der Deformation sowie von der betroffenen
Epiphyse ab. Während beim ausgewachsenen Tier die Fehlstellung festliegt
und eine Korrektur in endgültiger Weise vorgenommen wird, besteht
beim jugendlichen Tier die Wachstumspotenz nach der Operation fort und
kann erneut Fehlstellungen induzieren.
Die Defekt-Osteotomie (Abb. 4) und die Korrektur-Osteotomie der Ulna
(Abb.5) sind vor allem beim vorzeitigem Schluss der distalen Epiphyse
indiziert. Bei der Defekt-Osteotomie wird der distale Abschnitt der Ulna
vollständig entfernt. Wir empfehlen diesen Eingriff nur in Ausnahmefällen.
Die Korrektur-Osteotomie kommt dagegen wesentlich häufiger zur Anwendung.
Zur Wiederherstellung der physiologische Achse wird ein Knochenkeil entfernt
(Abb.6). Bei starker Wachstumspotenz und für komplexe Fehlstellungen
oder Verkürzungen ist auch an die kontinuierliche Kallusdistraktion
zu denken.
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Abb. 4
Postoperative Röntgenaufnahme nach Ulna-Defekt-Osteotomie im
latero-lateralen Strahlengang. Teckel-Mix, 5 Monate. |
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Abb. 5a
Röntgenaufnahmen im latero-lateralen und anterio-posterioren
Strahlengang.
Winkelfehlstellung von Radius und Ulna. Mops, 7 Monate alt.
b. Röntgenaufnahme vor der Deformitätsbeseitigung.
d. 6 Wochen nach der Operation. |
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Abb. 5c links
nach der Deformitätsbeseitigung.
e. Ergebnis 8 Wochen nach der Behandlung.
Abb. 6 rechts
Operationssitus. Keilosteotomie vor Entfernung des Knochenkeiles.
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Zusammenfassung:
Jede Deformation einer Gliedmasse in der Wachstumsphase bedarf der differenzierten
Abklärung. Wegen der osteogenetischen Aktivität der Epiphysenfugen
ist die chirurgische Korrektur so bald wie möglich durchzuführen.
Die Art des Eingriffs richtet sich vornehmlich nach dem Alter des Patienten,
aber auch nach den lokalen Verhältnissen aus.
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